FAQ: Welches Schmerzmittel soll ich nehmen

Oft gestellte Frage vieler Patienten, aber auch gern im privaten Umfeld, inklusive der Floskel: „Du bist doch vom Fach“.

Vorneweg: ich finde Schmerzmittel eine tolle Sache, für mich gehören sie zu den unentbehrlichen Medikamenten. Nicht auszudenken, was wir ohne die Tabletten, Gele, Zäpfchen oder Infusionslösungen machen würden.

Hier soll es speziell um die (in Deutschland) frei verkäuflichen Mittel gehen. Beruflich hantiere ich mehr mit den verschreibungspflichtigen oder unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden Substanzen, aber Infos und Empfehlungen dazu an dieser Stelle halte ich für unnötig, da hier ohnehin ein Arzt entscheidet und rezeptiert.

Die hier gegebenen Infos sollen die Entscheidungsfindung zum „richtigen“ Mittel erleichtern, ersetzen aber keinesfalls ein Gespräch mit dem Arzt und/oder Apotheker (letzterer gerade bei den nicht rezeptpflichtigen Präparaten!).

Acetylsalicylsäure: kurz ASS, bekannt unter dem Markennamen Aspirin®; auch in diversen Kombinationen erhältlich, zum Beispiel mit Vitamin C oder Coffein. Mein absolutes Hasspräparat. Mieses Schmerzmittel, guter Gerinnungshemmer. Die Thrombozytenaggregationshemmung tritt schon ab 30-50mg ein und hält etwa eine Woche nach der letzten Einnahme an, weshalb man gerne ASS 100 oder 300mg als Gerinnungshemmer verschreibt. Analgetisch wirksam ab 500mg, übliche Dosierung sind 500-1000mg. Außerdem fiebersenkend und in hoher Dosis (ab 2-5g) entzündungshemmend. Die Kombipräparate machen vielleicht ein gutes Gefühl, ziemlich sicher volle Taschen bei den Herstellern, bringen aber nicht wirklich was. Üblicherweise werden sie bei Erkältungskrankheiten empfohlen, verkürzen die Krankheitszeit aber nicht. Die analgetische Potenz von ASS ist insgesamt eher schlecht, das Nebenwirkungsprofil auch. Einnehmen kann man ASS, wenn man es nur kurz und selten braucht, keine Magenprobleme hat, sich nicht in den nächsten Tagen operieren lassen möchte und aktuell auch keine Blutung hat. Durch die fiebersenkende Wirkung natürlich gern bei Erkältungskrankheiten genommen, Vorsicht allerdings bei Kindern, hier können tödliche Nebenwirkungen auftreten, weswegen ASS erst ab 12 Jahren zugelassen ist. Auch aufpassen müssen Asthmatiker, ASS kann einen Anfall auslösen. Ich persönlich würde ASS einfach als Schmerzmittel vergessen.

Ibuprofen: erhältlich unter zahlreichen Namen, in verschiedenen Darreichungsformen. Einzeldosis ist maximal 800mg, Tagesgesamtdosis maximal 2,4g, jeweils für Erwachsene. Genau wie ASS wirkt es fiebersenkend und schmerzstillend bis 400mg, entzündungshemmend bei 800mg. Einsetzbar ist es relativ universell bei Knochen und Gelenkschmerz, Zahn-, Kopf- und Menstruationsschmerzen, bei Gicht und zur Fiebersenkung, auch bei Kindern. Nebenwirkungen gibt es natürlich auch hier, häufig treten Sodbrennen oder Unwohlsein auf. Magenblutungen, wie sie bei ASS häufig auftreten können, werden sehr selten beobachtet. Nicht einnehmen dürfen Ibuprofen Patienten mit Funktionseinschränkung von Niere oder Leber. Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. M. Crohn) sollten aufpassen, Ibuprofen kann einen Schub auslösen, genau wie bei Asthmatikern ein Anfall ausgelöst werden kann. Insgesamt ist Ibuprofen aber ein gutes Mittel mit gutem Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung.

Diclofenac: bekannt unter Voltaren®, mittlerweile in etlichen Generika zu haben. Diclofenac ist unter den frei verkäuflichen Analgetika ein Sonderfall. Als Gel/Creme bis 5% bzw. als Tablette unter 25mg frei zu kaufen, darüber verschreibungspflichtig. Gut hilft Diclofenac bei Muskel- und Gelenkschmerz, rheumatischen Beschwerden etc, also nicht das klassische „Kopfschmerzmittel“. Das Nebenwirkungsprofil ist ähnlich wie Ibuprofen. Ich gebe gern postoperativ bei Knochen und Gelenkschmerzen Diclofenac, da hilft das meiner Erfahrung nach einfach am Besten.

Paracetamol: kennt wohl jeder, hat wohl jeder daheim. Gut verträgliches Mittel für alle Altersstufen, bei leichten bis mittleren Schmerzen, relativ universell einsetzbar, senkt auch Fieber. Aufpassen müssen auch hier Patienten mit Leberfunktionsstörungen, chronischem Nierenversagen, Asthmatiker oder Alkoholiker. Dosierung für Erwachsene: 500-1000mg pro Dosis, maximal 4g/Tag. Nebenwirkungen gibt es nur wenige und selten. Meine persönliche Empfehlung für die Hausmedikation, wenn man sich an die Dosis hält.

Naproxen und (Propy-)phenazon lasse ich mal bewusst weg, gibts zwar auch noch, spielen aber aus meiner Erfahung keine große Rolle, gerade die beiden letzten. Naproxen findet sich hauptsächlich wohl im bekannten Dolormin® für Frauen. Hilft hier auch sehr gut gegen die Regelschmerzen, ist vom Nebenwirkungsprofil aber nicht besser oder schlechter als z.B. Ibuprofen, das auch ganz gut hilft. Hier gilt es auszuprobieren, was einem besser tut bzw. ob man den Aufpreis für das Markenprodukt gegenüber einem günstigen Ibuprofengenerikum zahlen möchte.

Abschließend möchte ich noch sagen: Schmerzmittel sollten mit Bedacht und Verantwortungsbewusstsein eingenommen werden. Sie sind, wie eingangs gesagt, tolle Medikamente, haben aber ihre Tücken. Neben den oben genannten Nebenwirkungen können zum Beispiel auch medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auftreten, wenn man ein Mittel längere Zeit genommen und dann abgesetzt hat. Außerdem kann ich nur raten den Beipackzette zu lesen, sich an die Regeln zu halten und bei Bedarf einen Arzt aufzusuchen, Rücksprache mit einem Apotheker zu halten oder, bei schweren Symptomen, in eine Notaufnahme zu gehen. Auch länger als eine Woche anhaltende Schmerzen, die nicht klar zuzuordnen oder bekannt sind, gehören ärztlich abgeklärt.

Wie immer: der Beitrag basiert auf meinen Erfahrungen und meiner Meinung. Vieles ist vereinfacht oder verkürzt dargestellt. Ärztliche Konsultation ersetzt er nicht.

Noch Fragen? Einfach her damit.

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2 Gedanken zu „FAQ: Welches Schmerzmittel soll ich nehmen

  1. Rose sagt:

    Bei meinen Eltern zu Hause gab es immer Thomapyrin. Als ich dann ausgezogen bin, habe ich Aspirin verwendet. aber irgendwann umgestiegen auf Paracetamol, weil ich Magenprobleme habe. Die vertrage ich ganz gut. Ibuprofen kenne ich zwar auch, wäre aber nicht meine erste Wahl in der Apotheke. Keine Ahnung, warum. Klingt für mich eher nach „starker, verschreibungspflichtiger Hammer“.

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  2. Ibuprofen ist nicht „schlimmer“ als Paracetamol. Und wie der Autor schon geschrieben hat, sind Aspirin und Thomapyrin ( was nichts anderes als eine Kombi aus Acetylsalicylsäure + Paracetamol + Coffein ist) wesentlich „gefährlicher“ und haben im Verhältnis zur Wirkung viel mehr Nebenwirkungen.
    Gerade durch Einnahme dieser Kombipräparate steigt die Gefahr, dass man irgendwann so „abhängig“ von ihnen ist, dass man durch Nicht-Einnahme wie durch Einnahme Kopfschmerzen bekommt (Ich hoffe ich konnte das jetzt halbwegs verständlich erklären^^)

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