Erstiwochenende

Entschuldigt die lange Pause. Es ist immer noch viel zu tun – und dann war da noch das Erstwochenende. Ich vermute mal, dass an jeder Uni irgendwas der Art mit den Erstis veranstaltet wird und kann jedem, der sich nicht sicher ist, nur empfehlen sowas mitzunehmen. Zum einen, weil man seine Kommilitonen kennen lernt, zum anderen, weil garantiert irgendwelche Dinge passieren, über die man sich noch jahrelang bepissen kann, die irgendwie in die Kategorie „legendär“ fallen.

Natürlich kommt man (fast) nicht zum schlafen und schüttet (fast) ausschließlich und durchgehend irgend einen Alkohol in sich rein, aber bei uns lief das immer noch ganz gesittet ab. Wer nicht (mehr) wollte wurde nicht weiter genötigt und wer nicht mehr konnte wurde von irgendwem ins Bett verfrachtet. Wir sind ja alle irgendwie erwachsen.

Kurzer Abriss der Aktion: am späten Nachmittag mit der ganzen Bagage getroffen, sicherheitshalber schon mal bisschen Betriebsmittel aufgefüllt, von der Fachschaft organisiert bzw. selbst mitgebracht. Man muss ja die Busfahrt überstehen. Für die Fahrt selbst war kein weiterer Sprit geplant, weil a) macht den Bus ggf. dreckig und b) sollte ja nur 40min dauern, kann man also überstehen. Aus den geplanten 40min wurde (unklarem) Stau sei Dank 1h40min, man bereute nichts mitgenommen zu haben. Die Spielchen und Gesänge trugen auch nicht wirklich zu Verbesserung der Situation bei. Die dummen Sprüche, die so langsam den Hinweis auf das zu erwartende Niveau gaben schon eher. Der Busfahrer, ganz netter Kerl, ertrug das ganze mit stoischer Ruhe. Respekt dafür. Vermutlich waren wir die 594. blöde Studententruppe, die er in die Pampa befördert hat.

Am Zielort angekommen hieß es Schlafplatz organisieren – nicht, dass man den wirklich gebraucht hätte – und treffen im Partyraum der Location zur allgemeinen Begrüßung. Will heißen: Mucke, Tanzen, Trinken. Zwischendrin gabs wohl auch Abendessen. Keine Ahnung. Nett war, dass Vertreter unserer Sponsoren da waren. Ganz vergessen zu erwähnen: das Wochenende wird von verschiedenen Stellen subventioniert, damit es für uns nicht zu teuer wird. Im Gegenzug laufen da am ersten Abend die Sponsoren auf, präsentieren sich ein bisschen und versuchen damit wieder ihre Kohle etwas rein zu holen. Mit steigendem Pegel stieg dann auch der Mut, also erstmal in Gruppe zum Nacktbaden in den nahegelegenen See gezogen. Scheißekalt im November. Nicht zur Nachahmung empfohlen.

Auf meine Isomatte bin ich letztlich irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens geknallt (jaja, Lusche, aber: ich bin ja auch schon was älter…) Geweckt wurde ich gut zwei Stunden später von der Gutsbesitzerin, die fluchend irgend einen von uns vor ihrer Tür weg geschoben hat, weil der Horst sich genau da abgelegt hatte. Nun war ich also wach (kopfschmerz- und katerfrei!) und beschloss mich einfach draußen hin zu setzen und in Ruhe wach zu werden. Zum Glück wars nicht wirklich kalt und so konnte ich gemütlich die erste Kippe mit dem Frühstückspils genießen, Kaffee war ja noch nich zu haben. Der Hofkatze ging es wohl ähnlich wie mir und sie beschloss wohl, dass geteiltes Leid halbes Leid ist und rollte sich auf meinem Schoß zusammen. Gunst der Stunde genutzt und die kleine gekrault bis die Sonne aufgegangen war.

Als es dann so langsam hell wurde hab ich das Ausmaß des letzten Abends so langsam wahrgenommen. Scheiße sah das Scheiße aus auf dem Hof. Katze war eh gegangen, also hab ich mir gedacht, dass es sinnvoll wäre, wenn ich anfange etwas klar Schiff zu machen, bevor der ganze Mist bis zum nächsten Morgen liegen bleibt und wir doppelt so viel aufräumen müssen vor der Abfahrt. Kurz nach Beginn schlurfte mir die nächste Frühaufsteherin entgegen, die meine Idee ähnlich gut fand wie ich und beschlossen hatte mitzuhelfen. Wie soll ich sagen: binnen 30 Minuten sah es wieder annehmbar aus.

Das war auch so der Zeitpunkt, zu dem sich wieder etwas Leben in die restlichen Erstis bewegte. Über den Tag kann man nicht so wirklich viel erzählen, das meiste ist nur interessant wenn man dabei war, Quintessenz ist: Haufen Spaß gehabt. Der Abend bzw. die Nacht lief ähnlich wie die erste, nur mit dem Zusatz, dass wir ein Lagerfeuer hatten, was ganz nett war zum wärmen, hatte es doch den Tag über paar Tropfen gegeben und war etwas abgekühlt. Der See war übrigens immer noch kalt. Durchgehalten hab ich grob eine Stunde länger, was aber an der netten Abendunterhaltung mit drei Kommilitonen lag, die Zeit verging viel zu schnell.

Der letzte Tag war im wesentlichen von ziemlich verkaterten Studenten geprägt. Zum durchkommen gab es zwei Ansätze: mehr oder weniger laut leiden oder weiter saufen. Letzteres klappte nur in begrenztem Maße, war nicht mehr viel übrig. Der kurze Blick in den Kühlwagen zeigte: gähnende Leere und daneben stapelten sich Kisten wie der Mount Everest. Entsprechend schwierig gestaltete sich das Aufräumen.

Interessant war dann wiederum der Blick in den Hörsaal am ersten Vorlesungstag nach der Fahrt: die, die am härtesten gefeiert haben…waren da. Dafür fehlten einige, wo man sich das nicht erklären konnte.

Gesamtfazit: geiles Wochenende, das sich von außen schlimmer anhört als es war. Aber den Ruf, den die Mediziner haben, den wird man eh nicht los.

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