Welt-Autismus-Tag

Gestern war Welt-Autismus-Tag. Einer von den unzähligen „Tagen“ die es für alle möglichen und unmöglichen Dinge gibt. Ich persönlich finde sie unnötig, ich brauche keinen Tag um an Krankheiten erinnert zu werden, an meine Mama zu denken oder das literarische Werk Douglas Adams‘ zu preisen. Aber sei es drum, es gibt sie halt und die Menschen mögen Thementage in der Regel.
Warum äußere ich mich also zu dem gestrigen Autismustag? Weil es mich betrifft. Ich habe schon länger überlegt, ob ich was dazu schreiben soll, weil ich eigentlich nicht gerne mit persönlichen Dingen hausieren gehe, das wirkt immer so nach Mitleid heischend. Nun war eben der Thementag und ich habe beschlossen doch ein paar Worte zu verlieren.

Bei Autismus haben viele sofort das Bild von Rain Man vor Augen. Das ist nicht ganz korrekt. Raymond ist in erster Linie Savant. Das ist etwas anderes. Im Autismusspektrum unterscheidet man verschiedene Formen, ich selbst habe einen Asperger Autismus, weswegen ich mich hier auch eher damit beschäftigen werde und die „klassischen“ Autisten, atypische  und High Functioning Gruppen außen vor lasse.

Diagnostiziert wurde ich erst im Erwachsenenalter, was relativ typisch ist, obwohl wir schon im Kindesalter Auffälligkeiten zeigen. Allerdings sind diese Auffälligkeiten und Probleme sehr unterschiedlich, nicht jeder hat die gleichen und man kann auch nicht von den Problemen des einen auf die eines anderen Asperger Autisten schließen. Dementsprechend habe ich ein paar „typische“ Merkmale, kann dafür andere Sachen ohne Probleme. Mir fallen soziale Interaktionen unheimlich schwer. Das mag im Hinblick auf meinen Beruf bzw. mein Studium verwundern, allerdings ist die Interaktion im beruflichen Umfeld auf einer ganz anderen Ebene als im privaten Bereich, da fällt das meinem Gegenüber nicht so sehr auf und mir leichter. Ich bin sehr schlecht darin Gesichtsausdrücke zu erkennen und verbale Äußerungen, die nicht wörtlich gemeint sind zu verstehen. Gefühlsregungen meines Gegenübers kann ich schlecht einordnen – meint der mich, oder jemand anderen? Man lernt damit umzugehen, indem man das alles quasi auswendig lernt. Zukünftige Situationen vergleiche ich mit vergangenen und leite daraus meine Reaktion und Handlung ab. Oft klappt das, manchmal nicht. Das führt dann zu beleidigten Reaktionen meiner Mitmenschen, die ich in dem Moment nicht nachvollziehen kann. Auch mein mangelnder Augenkontakt bei Unterhaltungen verunsichert viele, was ich durch konzentriertes angucken versuche zu reduzieren. Das ist allerdings sehr anstrengend für mich, weswegen ich nach wenigen Stunden in Gesellschaft völlig platt bin. Aus diesem Grund gehe ich ungern weg, vor allem nicht an Orte, die ich nicht kenne oder zu Personen, die mir nicht gut bekannt sind. Letztere verschreckt dann auch oft mein Humor, der von dem, der Allgemeinheit etwas abweicht.
Auch Telefonate versuche ich, wo immer möglich, zu vermeiden. Durch die fehlende visuelle Rückmeldung habe ich noch mehr Probleme im Gespräch, ich weiß nie, wann ich dran bin, weswegen ich unabsichtlich unterbreche oder lange Pausen entstehen.

Ein anderes Problem ist die Reizfilterung. Normalerweise sollte das Gehirn störende oder unnötige Nebengeräusche mehr oder weniger ausblenden. Das klappt bei mir nicht. Ich höre immer alles gleich. Darum fallen mir Gespräche an lauten Orten oder das Folgen bei einem Vortrag schwer, wenn es unruhig ist. Da prasselt alles auf mich ein, irgendwann bricht meine Konzentration zusammen und ich bin raus. Laute Umgebungen meide ich deswegen auch, Diskos, Clubs und Konzerte sind purer Stress. Wirklich konzentrieren kann ich mich auch nur auf Sachen, die für mich interessant sind, was auch erklärt, warum ich in einigen wenigen Fächern sehr gut, im Rest eher mies war und bin.

Was mir hilft sind feste Strukturen und Regeln, sowie brauchbare Arbeitsanweisungen. Meine Tage sind durchgeplant. Nichts wird gemacht, ohne vorher drüber sinniert zu haben, Fahrpläne, Uhrzeiten, Wege, alles wird mindestens einmal gecheckt. Ich gehe nicht los, bevor ich mich nicht völlig sicher bin. Mein Speiseplan ist festgelegt, zumindest soweit, dass ich für die ganze Woche weiß, was ich grundlegend koche. Spontane Änderungen bringen mich zwar nicht um, aber werfen mich etwas aus der Bahn, sodass ich erst Zeit brauche mich neu zu sortieren. Arbeitsanweisungen sind oft Problematisch, wenn sie lesen zwischen den Zeilen erfordern oder etwas übererklärt ist. In beiden Fällen kann es sein, dass ich eigentlich einfache Dinge nicht auf die Reihe bekomme, weil ich nicht verstehe, was man von mir will.

Ich bin sehr aufmerksam bei Details, da sehe ich Dinge, die anderen nie auffallen, allerdings verliere ich mich manchmal so sehr darin, dass ich die übergeordneten Dinge nicht sehe oder mir die Zeit davon läuft.

 

Man gilt meist als Sonderling. Fällt auf durch formelle Sprache, besonderen Gang, egozentrisch, stur, übermäßiges Gerechtigkeitsempfinden, scheinbare Gefühlskälte.
Wie ein Roboter.

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