Belauscht am Bahnhof

Der öffentliche Nahverkehr ist immer für super Situationen gut. Erst werde ich im Bus auf dem Weg zum Bahnhof fünf Minuten lang von einem Betrunkenen angebrüllt und bedroht und am Gleis spielt sich dann eine noch seltsamere Szene ab. 

Jeder kennt die Getränke- und Snackautomaten an den Gleisen. Die Dinger, die hauptsächlich durch ihre sackteuren Preise imponieren. Dagegen gerade zwei Männer hin, schauen sich das Angebot an, als der eine unvermittelt brüllt:

Capri Sonne isch deurer gewordn. Des isch ne Frächeit. Nur wege dene Flüchtlinge isch die deurer geworde. Und die Packung isch kloinä. 

Äh, was? Ich hab ja schon viele seltsame Geschichten gehört, an denen die Flüchtlinge schuld sein sollen, aber wie kommt man denn auf die verquere Idee, dass die irgendwas mit den Getränkepreisen an den notorisch überteuerten Automaten zu tun hätten?
Überflüssig zu erwähnen, dass die Klimaanlage im vollbesetzten Zug natürlich auch nicht geht und meine Körpertemperatur sich langsam der Denaturierungstemperatur von Eiweißen nähert. 
Und um die Erfahrung perfekt zu machen hatte ich während der anschließenden 15 minütigen Straßenbahnfahrt das Vergnügen neben einer völlig desinteressiert auf ihrem Handy tippenden Mutter zu stehen, während sich das Kind mit offensichtlich voller Windel die Seele aus dem Leib schreit. 

Da fährt man einmal pro Jahr ÖPNV und bekommt direkt die volle Dröhnung RTL ab. 

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2 Gedanken zu „Belauscht am Bahnhof

  1. Supra sagt:

    Und das war bestimmt auch wegen den Flüchtlingen, im Laden waren keine Windel mehr (Ironie)

    Gefällt mir

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