Hausmedikation und OP – Absetzen?

Immer wieder landen Besucher auf dieser Seite mit Suchbegriffen zum Thema „Soll ich Medikament XY vor OP absetzen?“

Die Frage ist wichtig und berechtigt, weswegen jeder Anästhesist im Vorgespräch die aktuelle Medikation abfragen und entsprechende Anordnungen treffen wird. Diesen ist unbedingt Folge zu leisten, andernfalls kann es zu teilweise schweren Zwischenfällen bis hin zum Tode des Patienten führen.

Ich bin (noch) kein Arzt und Absolutaussagen kann und will ich nicht treffen, zumal viele Dinge individuell entschieden werden.
In der Regel gilt:

Weitergegeben – also am Morgen vor der OP noch eingenommen werden:

  • (ACE Hemmer) patientenabhängig
  • Alpha-2-Agonisten
  • Antikonvulsiva, sonst erhöhte Krampfneigung
  • Antiarrythmika
  • Betablocker, sonst Gefahr von Rhythmusstörungen, Tachykardien, Angina pectoris
  • Calciumantagonisten
  • Nitrate
  • Parkinsonmittel

 

Ab- bzw. Umgesetzt werden:

  • Orale Antidiabetika/Langzeitinsuline, sonst Gefahr von Laktatazidose, Hypoglykämien
  • Digitalis
  • Theophyllin
  • Schilddrüsenmedikamente aller Art
  • Diuretika
  • Gerinnungshemmer aller Art, das heißt auch ASS, NSARs
  • Psychopharmaka aller Art, hier ist allerdings Risiko und Nutzen abzuwägen

 

Diese Liste ist keineswegs vollständig, deckt aber denke ich die üblichen Medikamente ab, die gegeben werden bzw. Probleme machen könnten.

Ich erhebe weder Anspruch auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit, sollte jemand einen Fehler entdecken bitte ich um entsprechende Meldung, ebenso, falls ein Medikament in der Liste fehlt, das aufgenommen werden sollte.

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2 Gedanken zu „Hausmedikation und OP – Absetzen?

  1. Folfoxiri sagt:

    Zu den Insulinen habe ich gelernt, dass das Basalinsulin (wenn man Insulin im Basis-Bolus-Prinzip verwendet) vor der OP trotzdem verabreicht werden soll. Bei Intermediärinsulin (konventionelle Insulintherapie) sollte 25% des Gesamtinsulinbedarfs verabreicht werden. Orale Antidiabetika sollten dagegen am Tag vor der OP abgesetzt werden – wie du das ja geschrieben hast. Während der OP muss die Plasmaglucose dann einfach regelmässig überprüft werden und ggf. korrigiert werden.
    Ich komme jedoch nicht aus Deutschland, evtl. wird das bei euch anders gehandhabt…
    Weisst Du genaueres dazu?

    Wie Du ja schreibst ist es sowieso am Besten, man gibt im Aufklärungsgespräch dem Anästhesisten eine vollständige Liste mit den Medikamenten und hält sich an dessen Anweisungen… V.a. bei den Gerinnungshemmern ist meines Wissens her eine pauschale Aussage sowieso sehr schwierig – Absetzen, Überbrücken oder Weitergben hängt wesentlich von Blutungsrisiko der OP und Thromboserisiko des Patienten ab.

    Einen Absatz verdienten evtl. auch noch die Naturheilmittel.. Aufgrund ihres Potentiales für Interaktionen (chinesische Kräuter vs. Niere, Johanniskraut vs. den Rest der Welt 😉 ) denke ich, ist eine Information des Anästhesisten darüber nicht falsch… Was meinst Du, siehst Du das ähnlich?

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    • Zu den Insulinen gibt es wohl verschiedene Ansichten. Das handhabt vermutlich jedes Haus irgendwie anders. Bis vor ein paar Jahren haben die Patienten bei und noch G10% mit Insulin bekommen um die OP zu überbrücken. Inzwischen bekommen sie das nicht mehr und werden nur morgens gemessen und intra- bzw. postoperativ kontrolliert und entsprechend mit Glucose unterstützt oder mit Insulin runtergespritzt.Im Prinzip ist es egal, wie man es macht, hauptsache man hat die Werte im Blick und greift entsprechend ein.
      Naturheilmittel sind so eine Sache. Die meisten Patienten denken wohl nicht an all die frei verfügbaren Mittel, die sie so nebenbei einnehmen, egal wie wirksam oder unwirksam sie sind. Mehr als nachfragen kann man da von ärztlicher Seite nicht.

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