Archiv der Kategorie: Anästhesie

Hausmedikation und OP – Absetzen?

Immer wieder landen Besucher auf dieser Seite mit Suchbegriffen zum Thema „Soll ich Medikament XY vor OP absetzen?“

Die Frage ist wichtig und berechtigt, weswegen jeder Anästhesist im Vorgespräch die aktuelle Medikation abfragen und entsprechende Anordnungen treffen wird. Diesen ist unbedingt Folge zu leisten, andernfalls kann es zu teilweise schweren Zwischenfällen bis hin zum Tode des Patienten führen.

Ich bin (noch) kein Arzt und Absolutaussagen kann und will ich nicht treffen, zumal viele Dinge individuell entschieden werden.
In der Regel gilt:

Weitergegeben – also am Morgen vor der OP noch eingenommen werden:

  • (ACE Hemmer) patientenabhängig
  • Alpha-2-Agonisten
  • Antikonvulsiva, sonst erhöhte Krampfneigung
  • Antiarrythmika
  • Betablocker, sonst Gefahr von Rhythmusstörungen, Tachykardien, Angina pectoris
  • Calciumantagonisten
  • Nitrate
  • Parkinsonmittel

 

Ab- bzw. Umgesetzt werden:

  • Orale Antidiabetika/Langzeitinsuline, sonst Gefahr von Laktatazidose, Hypoglykämien
  • Digitalis
  • Theophyllin
  • Schilddrüsenmedikamente aller Art
  • Diuretika
  • Gerinnungshemmer aller Art, das heißt auch ASS, NSARs
  • Psychopharmaka aller Art, hier ist allerdings Risiko und Nutzen abzuwägen

 

Diese Liste ist keineswegs vollständig, deckt aber denke ich die üblichen Medikamente ab, die gegeben werden bzw. Probleme machen könnten.

Ich erhebe weder Anspruch auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit, sollte jemand einen Fehler entdecken bitte ich um entsprechende Meldung, ebenso, falls ein Medikament in der Liste fehlt, das aufgenommen werden sollte.

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Akutschmerzdienst

Der Akutschmerzdienst ist eine Einrichtung in Kliniken, die sich (hauptsächlich) um die Versorgung postoperativer Schmerzen kümmert. Oft visitiert der ASD auch nicht operierte Patienten, die einer umfangreicheren algesiologischen Betreuung bedürfen und betreut auch, wenn vorhanden, geburtshilfliche PDKs im Kreißsaal.

Oft ist an den ASD auch eine Schmerzambulanz angegliedert, die ambulante Schmerzpatienten betreut bzw. auch nach Entlassung noch für die adäquate Schmerztherapie sorgen.

Im Alltag stehen in einem ASD mehrere speziell geschulte Pflegekräfte und Ärzte für die Patienten zur Verfügung. In der Regel handelt es sich um Anästhesiepflegekräfte mit der Weiterbildung zur Pain Nurse oder algesiologischen Fachassistenz. Auf ärztlicher Seite finden sich Anästhesisten, von denen mindestens einer in der Abteilung die Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ vorweisen muss.
Die Pflegekräfte kümmern sich, in Absprache mit dem zuständigen Arzt, um die Visitierung der Patienten. Sie erfragen die Probleme, überprüfen die aktuelle Medikation und erarbeiten dann, zusammen mit Patient und Behandlungsteam, einen Vorschlag für die weitere Schmerztherapie. Dabei hat man ein breites Spektrum von einfachen, nichtmedikamentösen Maßnahmen wie Lagerung, Ablenkung, Aromatherapie oder ähnliches bis hin zu komplexen medikamentösen und geräteunterstützten Therapien.
Weiterhin verfolgt die „Schmerzschwester“ den Verlauf der Therapie und passt gegebenenfalls die Maßnahmen an.
Zum Ende des Klinikaufenthalts wird auch ein Konzept für die Zeit nach dem stationären Teil entwickelt, sodass der Patient nicht in ein Versorgungsloch fällt, wenn nicht mehr täglich die Pain Nurse vor dem Bett steht.
Die Ärzte im schmerztherapeutischen Team übernehmen neben der Verantwortung auch die obligat ärztlichen Maßnahmen, wie das Legen von Kathetern zur Therapie und kümmern sich um die Fälle, die von den Pain Nurses nicht beherrscht werden können bzw. fungieren als Rückspracheebene.

Wer sich pflegerisch für eine Weiterbildung in dem Bereich interessiert, dem seien die Kurse Pain Nurse bzw. Pain Nurse Plus am cekib in Nürnberg ans Herz gelegt. Die Einrichtung ist großartig. Sehr gute Unterrichtsmaterialien und Betreuung, super nette und kompetente Dozenten und der Preis stimmt(e) auch, zumindest damals, als ich die Kurse besucht habe.
Nach Abschluss des Kurses erhält man auch Zugang zum Pain Nurse Onlineforum um sich mit Kollegen austauschen zu können, Probleme zu besprechen oder Neuerungen auszutauschen.
Beide Kurse zusammen sind auch von der Deutschen Schmerzgesellschaft zertifiziert.

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Medikamente vor OP

Eine Suchmaschine führte jemanden mit der Frage „Medikamente vor OP absetzen“ auf meine Seite.

Dazu hatte ich schon mal einen Eintrag geschrieben, daher hier nur ein Repost aus aktuellem Anlass.

 

Immer wieder Anlass für Unsicherheit gibt das Thema Hausmedikation vor OP. Grundsätzlich wird sich der Anästhesist die Medikamentenliste des Patienten ansehen und entscheiden ob die Mittel nach Plan weiter genommen werden sollen, was übrigens nicht dem Nüchternheitsgebot widerspricht, oder ob einzelne Präparate abgesetzt, oder besser gesagt pausiert, werden sollen.

Pausen betreffen üblicherweise Gerinnungshemmer, wie Cumarine, ASS, Heparine, „neue“ Antikoagulantien (Faktor Xa Hemmer, Thrombin Hemmer) und orale Antidiabetika. Während der Grund bei den Gerinnungshemmern sicherlich nachvollziehbar ist, ist es bei den Antidiabetika schwerer zu verstehen. OAD können eine Laktatazidose auslösen, in Verbindung mit dem OP-bedingt steigenden Laktat kann das zu Nierenschäden führen.

Sonstige Pausen im Medikamentenplan werden individuell festgelegt. Wichtig ist nur, dass man die Medikamente, die man braucht und nehmen darf auch tatsächlich nimmt, sonst wird der sonst gut eingestellte Blutdruck eventuell zum Problem.

Zusätzlich zur Hausmedikation verschreibt der Anästhesist oftmals noch ein Medikament für den Vorabend und/oder den OP Tag. Diese Prämedikation (in der Regel Benzodiazepine oder Clonidin) sollte man nehmen, auch wenn man selbst der Meinung ist das nicht zu brauchen. Das Ganze dient dazu, dass der Patient die unangenehmen Umstände rund um die OP wieder vergisst, er leichter einschläft und insgesamt weniger Anästhetika intraoperativ braucht.

Noch Fragen? Einfach her damit.

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PCA Pumpe

Jemand hat nach Umgang mit PCA Pumpen gesucht und ist auf meinem Blog gelandet. Dürfte leider eine Enttäuschung gewesen sein, weil ich hier keinen Artikel dazu habe. Das ändert sich jetzt, dann stehts wenigstens für die Zukunft hier.

PCA steht für Patient Controlled Analgesia oder auf Deutsch: patientengesteuerte Analgesie. Darunter fallen neben den gesuchten Pumpen auch Tabletten, Sprays oder sonstige Anwendungsformen, deren Einnahme der Patient selbst steuert.

PCA Pumpen sind elektronische oder mechanische Pumpen, die ein Schmerzmittel enthalten (z.B. Piritramid), das meist intravenös, manchmal aber auch epidural (PCEA) oder über einen Regionalkatheter peripher (PCRA) appliziert wird.
Das Grundprinzip besteht darin, dass der Patient – und nur der Patient, nicht die Angehörigen, nicht das Personal – sich bei auftretenden Schmerzen selbst ein gut wirksames Mittel applizieren kann, in einer Dosis, die keine Probleme macht. Der Patient weiß am Besten, wann es weh tut. Die Pumpen sind so konzipiert, dass bei Auslösung eine definierte Menge abgegeben wird und dann eine Sperrzeit aktiv ist, in der keine weitere Dosis gegeben werden kann. Damit werden Überdosierungen des Medikaments effektiv verhindert.
Elektronisch gesteuerte Pumpen bieten zusätzlich noch die Option einer Basistherapie, bei der kontinuerlich eine geringe Menge abgegeben wird und der Patient sich zusätzlich etwas geben kann.

PCA Pumpen sind eine tolle Erfindung. Sie helfen bei einer adäquaten postoperativen Schmerztherapie und geben dem Patienten ein Stück Autonomie, weil nicht jedes Mal nach dem Personal gerufen werden muss, wenn ein Schmerzmittel benötigt wird.
Falsch machen kann man mit den Geräten auch nichts, da sich vom Patienten nichts verstellen lässt und die Sperre, wie gesagt, eine Überdosis verhindert.
Die genaue Bedienung unterscheidet sich natürlich von Gerät zu Gerät, aber das Pflegepersonal wird den Umgang in jedem Fall genau erläutern und anleiten. Normalerweise ist es auch selbsterklärend, der relevante Knopf ist gut zu erkennen.
Die Vorgehensweise für den Patienten ist im Grunde immer die gleiche: sobald man merkt, dass die Schmerzen zunehmen drückt man aufs Knöpfchen. Damit kann man eine Schmerzspitze gut abdämpfen. Drückt man zu spät, weil man meint, dass man lieber noch etwas zuwartet, kann es allerdings sein, dass die Dämpfung nicht effektiv ist und außerdem liegt man dann noch länger mit Schmerzen im Bett als nötig. Auch hat es sich bewährt präventiv vor schmerzhaften Handlungen, wie zum Beispiel der Krankengymnastik oder einem Toilettengang, eine Dosis zu applizieren, sodass man (nahezu) schmerzfrei die Handlung ausführen kann.

Natürlich können auch Nebenwirkungen auftreten, wie bei jeder Opiatgabe, allerdings sind die in der Regel gering und der Körper gewöhnt sich auch daran, sodass der eventuell zu Beginn auftretende Schwindel auch wieder geht. Aber auch hier gilt: über die Nebenwirkungen wird aufgeklärt und sollten sich Fragen ergeben oder hat man das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, informiert man umgehend das Personal.

Abgesetzt wird die Pumpe je nach Bedarf. Sobald die Schmerzen so gering sind, dass kaum bis keine Auslösungen mehr nötig sind, kann sie weg. Man braucht auch keine Angst vor einer Suchtentwicklung zu haben. Im Rahmen einer Akutschmerztherapie wird man nicht Opiatabhängig. Auch wenn das viele Patienten – und leider auch Pflegekräfte und so mancher Arzt – glauben.

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Fragebox

Ich habe eben eine Questionbox eingebaut. Ihr findet jetzt oben in der Menüleiste ein Formular für Sachen, die ihr schon immer wissen wolltet, rund um die Themenbereiche Krankenhaus und Rettungsdienst.

Sofern möglich beantworte ich jede Frage gern, nach bestem Wissen und Gewissen. Auf Wunsch natürlich auch anonym, niemand muss hier die Hosen runterlassen.

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8:00

Feierabend. Ich bin pünktlich raus, kann mich noch ein bisschen entspannen und das gute Wetter heute ausnutzen. Schön, wenn es so klappt. Meistens ist es ja eher so, dass man völlig fertig ist, wenn das Wetter gut ist. Oder man ist fit und draußen ist alles Mist.

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7:40

Wie erwartet blieb der Rest der Nacht ruhig. Schlafen konnte und wollte ich nach dem Schockraum nicht mehr, dass hätte mich letztlich müder gemacht als das wach bleiben, also hab ich die restliche Zeit mit Gesprächen mit Kollegen von der Notaufnahme und dem Rettungsdienst rumgebracht. Ist auch mal ganz schön sich nicht nur zwei Minuten zwischen Tür und Angel unterhalten zu können, vor allem jetzt, nachdem ich ja nur noch selten in der Klinik vorbei komme.

Für einen kleinen interessanten Moment hat es aber noch gereicht. Das wäre was für Sash, den tollsten Taxiblogger im Netz gewesen. Ich war gerade auf dem Rückweg vom RTW Haltepunkt zu meinem Zimmer um meine Sachen zu holen, als mich ein etwas verwirrter Taxifahrer fragte, wo denn hier die Notaufnahme sei, er hätte da einen Kunden abzuholen. Der Fahrer war, zumindest laut Taxi, auch von hier und nicht aus dem Umland, weswegen es mich verwundert hat, dass er das nicht wusste. Ich dachte Orte wie Krankenhäuser wären fester Bestandteil der Ortskundeprüfung und außerdem ist die Notaufnahme hier auch nicht gerade unauffällig beschildert. Natürlich hab ich dem guten Mann begleitet und auch schnell noch in der Aufnahme die Patientin ausfindig gemacht, die er mitnehmen sollte. Ich hab ja Zeit und bin grundsätzlich ein netter Geselle. Und diese Lotsenfahrt gabs sogar gratis. 😉

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3:50

Und damit ist die Nachtruhe beendet. Wenigstens ein bisschen Schlaf bevor der nächste Schockraum eingerollt ist. Diesmal ein klassisches Unfallgeschehen, Zustand nach Sturz. Der Patient hatte augenscheinlich mehr Glück als Verstand, aber das ist bei alkoholisierten ja meistens so. Nach dem CT stehen ein paar Frakturen zu Buche, aber nichts, was operiert werden müsste. Und blieb nur für eine adäquate Schmerztherapie zu sorgen und uns zurückzuziehen. Drei Stunden hab ich noch, dann kann ich auch wieder heim. Ich vermute mal, dass ich bis dahin nichts mehr zu tun bekomme.

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21:15

Ich hatte ja schon etwas an eine ruhige Nacht geglaubt, als um 21:15 Uhr das Telefon klingelte und einen Schockraum meldete. Die Ruhezeit hatte ich genutzt um ein bisschen zu dösen und, man kennt das ja, man muss dann erstmal wieder richtig wach werden. Bei solchen dringenden Geschichten geht das zum Glück schnell, viel Zeit bleibt einem ja auch nicht. Dieses Mal war der Schockraum neurologischer Natur, was es für uns immer etwas schwierig macht, denn hier liegt initial nichts eindeutiges vor. Dementsprechend zieht sich auch die Diagnostik etwas länger als man das bei den klassischen unfallchirurgischen hat. Das CT gab keinen Anhalt für eine sofortige Intervention, sodass dann die Übernahme auf eine Intensivstation geklärt und der Patient dort hin gebracht werden musste. Inklusive putzen, aufräumen und papierkram hat mich das gut 1,5 Stunden gekostet. Aber ich bin immer froh, wenn ich vor Mitternacht was mache und die zweite Nachthälfte schlafen kann.

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18:00

Kurzes Update zwischendurch, es ist immer noch ruhig. Allerdings gibt die mittlerweile proppenvolle Notaufnahme keinen Grund zur Entspannung. Unter so vielen Patienten ist sicherlich auch was zu operierendes dabei und es ist wirklich verdächtig ruhig. Im letzten Bereitschaftsdienst hatte ich in die Uhrzeit schon 7 OPs hinter und noch 14 Stunden OP Laufzeit vor mir. Man darf gespannt sein, was die Nacht so bringt.

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