Formula Notdienst

Pharmama möchte gerne Apothekengeschichten sammeln, hier also mein Beitrag dazu.

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Es ist ein paar Jahre her, ich fuhr noch relativ häufig Rettungsdienst und wir bekamen einen Auftrag in eine mittelmäßig gute Wohngegend zu einem Kindernotfall, Samstag nacht. Die Meldung war etwas sehr unklar, bei Kindern ohnehin immer eine Wundertüte und in der Regel auch nicht so schlimm wie gemeldet.
Als wir in der Wohnung ankamen trafen wir auf ziemlich aufgeregte Jungeltern – soweit noch normal – und ein gut aussehendes Kind. Irritation bei uns, denn es ist zwar, wie gesagt, meist nicht so schlimm, wie gemeldet, aber irgendwas haben die Kinder immer, also mal abklären, was hier los ist.

Die erste Info, die wir bekamen, war, das die kleine Maus erst vor ein paar Tagen geboren und vor ein paar Tagen minus 4 aus der Klinik entlassen wurde. So weit, so unproblematisch. Jetzt wäre ihnen unbemerkt die Nahrung ausgegangen und sie wüssten nicht, was sie machen sollten, weil Wochenende und Nacht und die Kleine ja alle paar Stunden was braucht. Ich selbst musste mich da erstmal sortieren um eine Antwort dazu zu produzieren, mein Kollege (älteres, forscheres Semester), war da schneller und schnautzte die beiden in bester Rettungsdienst- (und lokal-) manier an, das wir doch kein Futtertaxi sind.
Hmpf. Mir blieb jetzt nur übrig die Wogen zu glätten, die Mama war kurz vor einem Heulkrampf und Papa nicht weit dahinter. Irgendwas stank an der Geschichte, ich wusste nur noch nicht was. Rettungsdienstler und Klinikkollegen werden wissen, was ich meine. Den Kollegen schickte ich erstmal zum Rauchen vor die Tür und hab mich mit den Dreien mal hingesetzt zum Reden. Jetzt endlich rückten sie auch damit raus, dass das Kind irgend eine Malabsorptionsstörung oder Intoleranz – ich weiß es nicht mehr – hat und sie auf irgend eine Spezialnahrung angewiesen sind, die es nur in der Apotheke gibt. Ein Auto stand ihnen auch nicht zur Verfügung um die Notdienstapotheken abzugrasen. Ich dachte mir an dem Punkt, dass das ja jetzt nicht so schwer wird und rief die Leitstelle zwecks Rückmeldung der Lage und Notdienstnummer an.
Kurz danach hatte ich auch schon den ersten Notdienstler an der Strippe. Von der Nahrung hatte er noch nie was gehört und führt sie auch nicht im Sortiment. Apotheke zwei und drei waren auch nicht hilfreicher. In der vierten, relativ weit draußen in Innenstadtmaßstäben gemessen, konnte mir der Apotheker wenigstens sagen, dass das keine Fertignahrung ist, sondern eine Zubereitung, die in der Apotheke hergestellt wird. Er würde das machen, hätte aber die Zutaten nicht komplett da, das ginge frühestens am Montag.
Die Info war schonmal super. Auch für die Eltern, die das ebenfalls nicht wussten, da sie aus der Klinik Nahrung mitbekommen hatten und bisher noch gar keine selbst besorgen mussten. Jetzt standen wir also da, wussten, was wir brauchen, aber keiner war in der Lage das Pulver zusammen zu rühren. Was tun? Ein Ass hatte ich noch im Ärmel: „meine“ Krankenhausapotheke. Ich rief beim diensthabenden Apotheker meines Hauses an und kreuzte, die Finger, dass das klappt. Immerhin ist das ja keine öffentliche Apotheke, die irgendwas verkaufen kann. Zum Glück hatte eine super nette Kollegin Notdienst, die ich kannte. Ich hab ihr kurz die Situation erklärt und sie war sofort bereit in die Klinik zu fahren und die Nahrung herzustellen, völlig kostenlos. Volltreffer. Eine gute Stunde später konnten wir den Eltern eine Packung Babynahrung überreichen und auch der Kollege hat sich für sein forsches Auftreten noch eine Entschuldigung abringen können.

Ende gut, alles gut. Auch Klinikapotheken, die man als Normalo so gar nicht wahrnimmt können manchmal der Retter in der Not sein.

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2 Gedanken zu „Formula Notdienst

  1. Pharmama sagt:

    Au weija. Ende gut, alles gut – und: gut, gibt’s die Klinikapotheke UND vor allem Dich, der vorher genau nachgefragt hat, was denn das Problem war und doch noch eine Lösung gefunden hat. Nicht ganz einfach bei so Spezialnahrung zum herstellen und dann auch noch ausserhalb der Öffnungszeiten.

    Allerdings hoffe ich, dass die Eltern daraus gelernt haben (hört sich so an) … und das für Euch nicht zu häufig vorkommt. Ich habe mich im Notfalldienst immer gewundert, wenn den Eltern die Nahrung ausgeht für das Baby und sie dann das nachts um 2 Uhr holen müssen .. und meist frage ich mich schon bei der normalen: Weshalb? Das ist absehbar und im Normalfall gut planbar.

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    • Ich denke schon das die Eltern daraus gelernt haben. Ich vermute, dass das am Anfang einfach alles zu viel für die beiden war. Erstes Kind, grade daheim, krank, Sonderbehandlung etc. Ich habe nicht nachgefragt, warum ihnen die Nahrung ausgegangen ist und erlich gesagt: es war mir auch egal. Ich bin nicht dazu da um über die Leute zu richten und es ändert auch nichts an der Problematik. Passieren kann das vermutlich jedem in irgend einer Form. Wichtig war eine Lösung zu finden und ich fand es hier insbesondere schön wie schnell und unkompliziert die Apotheke meines Arbeitgebers helfen konnte.

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